Weihnachtspost

Happy Christmas aus Wum!

Ich wünsche euch allen eine gesegnete und fröhliche Weihnachtszeit. Anstelle des Weihnachtsoratoriums oder Weihnachtschorälen höre ich dieses Jahr von morgens bis abends 🙂 „Silent Night, holy Night“, „Jingel bells“, „I wish you a merry christmas!“, Poptitel zum Lobe des kommenden Heilands und afrikanische Gesänge. Im Moment sitze ich in meinem Zimmer und höre die Musik, die mit Hilfe der neu reparierten Anlage das ganze Haus beschallt.

Es ist nun schon über einen Monat her, dass ich meinen Blog aktualisiert habe und seither ist viel passiert. Aber ich werde heute nicht die Zeit haben über alles ein paar Worte zu verlieren. Weshalb ich mich nur auf die Weihnachtsvorbereitungen beschränken werde. Alles Weitere folgt dann hoffentlich nach den Weihnachtstagen.

In der letzten Schulwoche (9.-12.12.) habe ich mit meiner Kollegin Edith und einigen Schülern über 8 Stunden Gutsle (für alle Nicht-Schwaben: Weihnachtsplätzchen :)) in der Schulküche gebacken. Wir hatten leider nur ein Backblech und einen Backofen, da der andere Backofen nicht mit der Gasflasche verbunden werden konnte. Neben Powpow- und Bananenmarmelade, die wir für die Spitzbuben, benötigten, entstanden Sitzbuben, Butter-S und Schokoschnitten.

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Powpow-Marmelade kochen

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Teig kneten

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Gutsle ausstechen und S formen. Die Schüler fande das Backen ziemlich anstrengend. 🙂

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Das Backen der Schokoschnitten in den Tellern war ein Provisorium und klappt nicht bei allen Tellern wie erwünscht… 🙂

Den größten Teil der Ausbeute verteilte ich am Mittwoch in der Lehrerkonferenz als Weihnachtsgeschenk. Es war echt nicht viel, aber unter den Backbedingungen war es einfach nicht möglich mehr herzustellen.

Gestern (23.12.) habe ich mit Loveline und ihren Kindern ein weiteres Mal gebacken.

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Beim Zubereiten- Dorcas war eine fleißige Helferin und kann nächstes Jahr alleine backen.

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Die Feuerstelle mit Ofen.

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Der Ofen- mit Schichtverfahren!

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Das Schlachtfeld- Ma Hannahs Wohnzimmer!

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Das Endprodukt.

Diesmal nutzten wir eine Topf mit kleinen Steinen auf dem Boden, den wir auf die Feuerstelle stellten, als Ofen. Diesmal standen wir 5 Stunden in der Küche. Allerdings machte ich den Teig schon am Abend zuvor.

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Am Abend beim Mehlsieben mit einem Teesieb, da das große Sieb verliehen war :).

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Teigkneten im Kochtopf.

Wir stellten Butter-S, Butter-Aidsschleifen, Butter-8 und Kekse aus dem Spitzbubenteig her, da die Kameruner nicht so sehr auf Süßes stehen und deshalb Kekse lieber ohne Marmelade oder Zitronenglasur essen.

Für morgen werde ich nun die Gutsle in 30 Tütchen packen, salziges Popcorn, ein Haribo-Päckchen und einen Luftballon hinzufügen und dann den Kindern, die uns die nächsten Tage besuchen werden, als Geschenk überreichen. Hier ist es nämlich Tradition, dass man allen Besuchen etwas zu Essen und/oder zu Trinken anbietet. Man sollte also immer etwas Essbares und Trinkbares im Haus haben, da man nie weiß wann der Besuch vor der Tür steht. Für die Erwachsenen werde ich vll Spätzle mit Tomatensauce machen. Allerdings hoffe ich, dass wir die Spätzlepresse, die Ma Hannah vor 10 Jahren in Deutschland (vermutlich von Katharina Müller) geschenkt bekommen hatte, repariert bekommen und ich dann eine große Menge kochen kann. Alternativ werde ich ein Löffelsieb nehmen und den Spätleteig mit einem Löffel durchdrücken, sodass es Knöpflespätzle gibt. Diese Art dauert für viele Personen aber deutlich länger… Ich werde euch von der endgültigen Kochweise berichten.

Die anderen Familien werden Gingin backen. Dazu wird ein Teig aus Weizenmehl, Eiern, Fett, Zucker, Backpulver und etwas Salz hergestellt. Dieser Teig wir dann ausgewellt und entweder mit dem Messer in kleine Stäbchen geschnitten oder von einer Maschine mit Kurbel in Stäbchen geschnitten. Danach werden die Stäbchen im heißen Fett über dem Feuer frittiert. Es ist also eine sehr fettige Angelegenheit. Allerdings geht es viel schneller als unsere Gutsle und  man erhält eine viel größere Menge in kürzerer Zeit. Das ist von Vorteil, da man ja viele Kinder in der Weihnachtszeit mit kleinen Geschenken versorgen muss. Zum Schluss wird das Gingin in kleine Tütchen portionsweise abgebackt. Ich selbst habe am Samstagabend der Frau des Konrektors beim Herstellen geholfen.

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Ma Tikum in ihrer Feuerküche. Unten links seht ihr das fertige Gingin im orangenen Topf.

Die nächsten beiden Bilder entstanden am Freitagabend als ich Loveline half die trockene Wäsche vom Gras einzusammeln und ins Haus zu bringen. Es ist gar nicht so schwer alles auf dem Kopf zu tragen. 🙂

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Wir hatten unseren Spaß!

Gestern Morgen durfte ich das erste Mal sehen wie man eine Kuh schlachtet. Elf Lehrer haben die letzten Monate zusammen auf eine Kuh gespart und diese gestern Morgen im Gras vor der Schule geschlachtet. Hier kommen einige Bilder:

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Magen und Gedärme- das stinkt ganz schön, wenn man den Magen aufschneidet um das Gras trocknen zu lassen… 🙂

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Im wahrsten Sinne das Herzstück des Tieres und mein heutiges Frühstück.

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Beratschlagen wie man die Kuh nun am besten in 11 gerechte Teile aufteilt.

Ma Patience bekam das Herz, sodass ich heute Morgen Plantane mit Tomatensauce und Herz aß. Das hat man auch nicht alle Tage. Das Herz war total weich. Ich glaube ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben Herz gegessen…. Mein ganz persönliche „Weihnachtsgans“. 🙂 Heute Abend werde ich mein neues afrikanisches Gewand ausführen. Das Foto folgt dann später. Hier in Kamerun ist es nämlich Tradition, dass vor allem die Kinder an Weihnachten ein neues Gewand bekommen und meistens noch neue Schuhe dazu. Die Familien kratzen, wenn nötig das letzte Kleingeld zusammen um sich die Gewänder für ihre Kinder (vor allem die Jüngeren) leisten zu können.

Am Samstag stand Weihnachtsputz an. Die Söhne der Familien auf dem Campus (Familie Anjouambum, Familie Tikum (Konrektor) und Ma Hannahs Familie) wuschen unseren Teppich vor dem Haus. Dabei wollte Glev wissen wie ein Teppich hergestellt wird und ich erfuhr auf diese Weise, dass die Teppiche in Kamerun meist importiert sind.

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Deligence und ich kehrten und wischten die Böden und die Möbel.

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Gegen Nachmittag verließ uns Deligence um die Ferien bei Ma Patience Schwester in Bamenda und Jaunde zu verbringen. Eigentlich hatte sich Deligence gefreut Weihnachten bei ihrer Familie in Belo zu verbringen. Das wird nun vermutlich nichts, allerding schließe ich nicht aus, dass die Schwester in Bamenda für einen Tag nach Belo reist und Deligence dann ihre Familie sehen kann. Schon krass für ein 13-jähriges Mädchen, das ganze Jahr von der Familie getrennt zu sein und dann nicht mal an Weihnachten nach Hause zu dürfen.

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Am Mittwoch letzte Woche war ich bei der Ordination von 18 neuen Pfarrern in Bamenda.

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An den Feierlichkeiten waren über 100 Pfarrer aus dem ganzen englisch-sprachigen Teil anwesend. Der Gottesdienst dauerte 4 Stunden und die über 100 Pfarrer durften 2 Mal nach vorne kommen um die ordinierten Pfarrer zu segnen…

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…und ihnen beim 2. Durchgang die Hand in Fellowship (Willkommen heißen als neue Mitglieder) reichen.

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Unter anderem bei der Predigt durfte ich wieder einmal erleben, dass das Kirchenoberhaupt Moderator Reverend Dr. Festus Asana ein menschennaher und herzlicher Mann ohne Allüren ist. Ganz pragmatisch forderte er die Pfarrer beim Hand reichen auf: „Faster and please just one hand shaking, nothing else“ :). Er wird allerdings sein Amt nächstes Jahr niederlegen, sodass im Moment die Suche und Auswahl nach einem Nachfolger sehr präsent ist. Die Wahlen sind 2014.

Nach der Ordinationszeremonie, für die es extra ein Programmheft gibt, das jedes Jahr verwendet wird, tanzten die neu ordinierten Reverends mit ihren Ehepartner durch die Kirche und es brach ein regelrechtes Tanz- und Singkonzert. Die ganze Kirche war in Bewegung. Das hatte ich noch nie erlebt.

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Die Pfarrersfrauen waren alle in grün gekleidet. Hier ist es Tradition, dass die engen Familienangehörigen und Freunde bei Anlässen (vor allem Beerdingungen…) einheitliche Kleidung tragen.

Am Ende des Gottesdienstes wurde dann für jede/n neu ordinierte/n PfarrerIn der Ort ihres Festessens bekannt gegeben. Nach dem Gottesdienst durften wir in der großen Halle mit der ganzen Kirchenobrigkeit fürstlich speise…

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…und ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit kurz mit Reverend Rihm zu sprechen. Er wird bis April in Kamerun sein. Nach dem Essen gab es noch zwei kurze Ansprachen…

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…und dann verabschiedeten sich der Moderator und sein Gefolge um den langen Heimweg nach Buea anzutreten.

Nach der Veranstaltung hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit in Bamenda auf der Commercial Avenue shoppen zu gehen. Dabei besuchte ich auch zum ersten Mal den Prescraft- und Presbookshop. Es war für mich eine ganz neue Erfahrung durch die Stadt zu gehen und nicht von jedem angestarrt bzw. angesprochen zu werden. Wum ist eine Kleinstadt, in der nur 7 Weiße (4-köpfige Familie und 2 Peacecorps aus den USA und ich) wohnen. Bamenda dagegen ist die 3 größte Stadt Kameruns, dort sind Weiße kaum mehr eine Besonderheit. Auf dem Heimweg transportierte ich unsere reparierte Musikanlage auf den Knien und die 9-monatige Tochter Manuela eines Kollegen auf dem Schoß, da Manuelas Mutter ziemlich k.o. vom Ausflug in die Stadt war. Manuela schlief die 2 ½ -stündige Fahrt komplett durch. Als wir bereits in Wum waren und den letzten Berg bis auf 50 Meter erklommen hatten, versagte das Auto. Wir stiegen also alle aus und die Männer begannen den Bus den Berg hoch zuschieben. Ich wollte eigentlich auch helfen. In Deutschland hätte ich das auch gemacht, aber hier ist so etwas Sache der Männer und die Frauen schauen zu. Also stand ich eben auch nur daneben L. Zum Glück passierte das Ganze direkt neben einer der 2 Tankstellen in Wum, sodass Onkel Sam (unser schuleigener Fahrer) etwas Benzin kaufen konnte um den Anlasser mit Benzin zu versorgen. Da die Kanisteröffnung zu groß war, nahm er kurzer Hand das Benzin in den Mund und spuckte das Benzin in den Anlasserbehälter aus. Echt krass! Das tat er dann nochmals kurz vor dem Campusgelände, da das Auto schon wieder ausging. Wer von euch hat Benzin schon mal auf diese Weise transportiert? 🙂

Nun werde ich in die Stadt gehen und hoffentlich die reparierte Spätzles-Presse abholen können. Danach werde ich mich mit der warmen Eimerdusche waschen (das Wasser hat Ma Patience heute Morgen auf dem Feuer warm gemacht und dann in einen Warmhaltebehälter gefüllt) und für den Gottesdienst um 17.30 Uhr fertig machen. Wir werden uns um 17 Uhr zu eine kurzen Chorprobe treffen. Gestern habe ich dem NBC-Choir „O Tannenbaum“ und „Kommet ihr Hirten“ beigebracht. Mal schauen ob wir beide Songs singen. Der Chorleiter ist nicht da und dann wird das meist etwas spontan ausgemacht.

Noch kurz ein paar Worte zum Wetter. Wir haben keinen Schnee :). Dafür ist es bei uns tagsüber sommerlich warm, aber abends, nachts und morgens ist es echt kalt. Deshalb bin ich leider seit Sonntag krank (Husten, Schnupfen und schlapp). Die Nacht auf Sonntag war besonders kalt. Seither schlafe ich mit Mütze (das machen hier viele) und gedoppelter Zudecke. Meine Decke ist zum Glück so breit, dass ich sie doppelt nehmen kann.

Ich hoffe, dass ihr alle gesund seid und euch der kalte Winter nichts antun kann. Mit den folgenden Worten aus der Pidgin Bibel…

10Meik wuna no fia. Mi A kam na fo tel wuna som gud nyus weh e go meik ol pipul  fo grong fo hapi. 11Tudei fo David yi taun dem don born man weh e go fri pipul for troubul. Yi e bi na Christ de Masa.“

(Luke 2, 10-11)

…wünsche euch allen nochmal ein gesegnetes Weihnachtsfest und falls wir uns davor nicht mehr hören oder schreiben: einen guten, schwungvollen, gesunden und gesegneten Start ins Jahr 2014. Auf dass das kommende Jahr einige schöne Überraschungen für euch bereithält.

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Herzlichst, eure Annegret

PS: Vielen Dank für eure Weihnachtpost und Weihnachtswünsche! Ich habe mich sehr darüber gefreut und es tut gut, wenn man weiß, dass die Freunde daheim immer wieder an einen denken. Das beruht übrigens auf Gegenseitigkeit :)!

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